KI im Handwerk in Österreich: Förderungen, WKO-Angebote und was rechtlich gilt
Stand Oktober 2026 ist das Budget von KMU.DIGITAL ausgeschöpft, Anträge sind nicht mehr möglich, und laut Programmseite wird KMU.DIGITAL ab 2027 nicht fortgeführt. Bei aws Digitalisierung ist derzeit kein KI-Call offen. Die Wirtschaftskammer bietet Handwerksbetrieben ein KI-Handbuch und Workshops. Rechtlich gilt seit Februar 2025 die Pflicht zur KI-Kompetenz, seit August 2026 die Kennzeichnung von Chatbots. Die DSGVO gilt daneben unverändert.
In Kürze
- KMU.DIGITAL: Budget ausgeschöpft, keine Anträge mehr möglich, laut Programmseite ab 2027 keine Fortführung.
- aws Digitalisierung: Die KI-Calls sind laut aws geschlossen, derzeit ist kein weiterer Call offen.
- Die Bundessparte Gewerbe und Handwerk der WKO bietet ein KI-Handbuch für Klein- und Kleinstbetriebe und Online-Workshops.
- AI Act: KI-Kompetenz (Art. 4) gilt seit 2. Februar 2025, die Transparenzpflichten (Art. 50) im Wesentlichen seit 2. August 2026.
- Wer Kundendaten mit KI verarbeitet, braucht nach der DSGVO eine Rechtsgrundlage und mit Dienstleistern einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung.
Wer als Handwerksbetrieb in Österreich mit KI anfangen will, stellt meist drei Fragen: Gibt es dafür Förderung? Wo bekomme ich neutrale Informationen? Und was muss ich rechtlich beachten? Dieser Überblick fasst den Stand zusammen, mit Links auf die offiziellen Quellen. Förderprogramme und Fristen ändern sich laufend; prüfen Sie deshalb vor jeder Entscheidung die verlinkte Originalseite. Stand: Oktober 2026.
Dieser Artikel ist ein allgemeiner Überblick und ersetzt weder Rechts- noch Förderberatung.
Welche Förderungen gibt es derzeit für KI im Handwerk?
Kurz gesagt: Die beiden bekanntesten Programme für Digitalisierung und KI in kleinen Betrieben nehmen im Moment keine Anträge an. Das ist ernüchternd, aber besser vorher zu wissen, als ein Projekt auf eine Förderung zu planen, die es nicht gibt.
KMU.DIGITAL
KMU.DIGITAL ist eine Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Österreich. Das Programm hat kleinen und mittleren Betrieben eine geförderte Beratung und danach eine Förderung für die Umsetzung angeboten. Wer die Umsetzungsförderung wollte, musste vorher verpflichtend eine KMU.DIGITAL-Beratung absolvieren.
Auf der Programmseite steht derzeit ein deutlicher Hinweis: Das Budget von KMU.DIGITAL 4.0 ist vollständig ausgeschöpft, eine Antragstellung für Beratungs- und Umsetzungsförderung ist nicht mehr möglich. Wegen der Konsolidierung im Bundeshaushalt wird das Programm laut derselben Seite ab 2027 nicht fortgeführt.
Für Ihren Betrieb heißt das: Rechnen Sie bei einem KI-Projekt im Moment nicht mit KMU.DIGITAL. Sollte sich daran etwas ändern, steht es zuerst auf kmudigital.at.
aws Digitalisierung
Die Austria Wirtschaftsservice (aws) fördert unter dem Namen aws Digitalisierung Digitalisierungsvorhaben mit nicht rückzahlbaren Zuschüssen. Für künstliche Intelligenz gab es dort eigene Calls, also Einreichfenster mit festem Zeitraum. Laut aws sind diese Calls geschlossen, derzeit gibt es keinen weiteren Call.
Zwei Punkte aus den allgemeinen Bedingungen sind trotzdem gut zu wissen, falls wieder ein Call aufgeht: Der Antrag muss vor Projektstart gestellt werden, und Projekte, mit denen schon vorher begonnen wurde, sind nicht förderbar. Außerdem richtet sich das Programm laut aws je nach Schiene an bestimmte Branchen, etwa Sachgüterproduktion und produktionsnahe Dienstleistungen. Ob ein Handwerksbetrieb dazu zählt, steht in den jeweiligen Bedingungen.
Förderungen in Ihrem Bundesland
Einige Bundesländer und Landeskammern haben eigene Programme für Digitalisierung. Die Wirtschaftskammer führt dazu je Bundesland eine Übersicht, für Vorarlberg etwa die Seite Förderungen Vorarlberg zum Thema Digitalisierung. Ein eigenes Landesprogramm speziell für KI im Handwerk haben wir dort bei unserer Recherche nicht gefunden. Welche Programme aktuell offen sind und ob Ihr Vorhaben dazu passt, klären Sie am besten direkt mit der Förderberatung Ihrer Landeskammer.
Und ein Hinweis in eigener Sache: Goma-IT ist keine Förderstelle und kann keine Förderung zusagen. Ein Angebot von uns ist ein normales Angebot, ohne eingerechnete Förderung.
Was bietet die WKO Handwerksbetrieben zum Thema KI?
Die Bundessparte Gewerbe und Handwerk der Wirtschaftskammer hat eine eigene Themenseite Künstliche Intelligenz im Gewerbe und Handwerk. Dort finden Sie unter anderem:
- Ein KI-Handbuch für Klein- und Kleinstbetriebe aus Gewerbe und Handwerk. Es soll laut WKO einen praxisnahen Einstieg geben und zeigt Werkzeuge wie ChatGPT und Canva an Beispielen (KI-Handbuch).
- Webinare und Workshops. Im Frühjahr 2026 gab es etwa eine dreiteilige Online-Workshopreihe zu Social Media mit Unterstützung von KI (KI-Webinare und Workshops). Ob und wann neue Termine folgen, steht auf derselben Seite.
- Beiträge zu KI-Werkzeugen und zum AI Act, etwa eine Einordnung, was die Änderungen der EU an den KI-Regeln für Handwerksbetriebe bedeuten (Beitrag der WKO).
In den Bundesländern sind die Landesinnungen der einzelnen Gewerke Ihre erste Anlaufstelle, in Vorarlberg zum Beispiel über die Seite der Sparte Gewerbe und Handwerk der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Kurse zum Umgang mit KI bieten auch die WIFIs an, in Vorarlberg etwa auf der Seite Künstliche Intelligenz des WIFI Vorarlberg.
Was gilt rechtlich, wenn ein Handwerksbetrieb KI nutzt?
Zwei Regelwerke sind für einen Handwerksbetrieb wichtig: der AI Act, die europäische KI-Verordnung, und die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Eine gute neutrale Quelle für den AI Act in Österreich ist die KI-Servicestelle der RTR.
AI Act: Was für kleine Betriebe zählt
Ein Betrieb, der fertige KI-Werkzeuge nutzt, ist im AI Act in aller Regel „Betreiber“ und nicht „Anbieter“. Die umfangreichsten Pflichten treffen die Anbieter. Für Betreiber im Handwerk sind vor allem zwei Punkte wichtig. Laut Zeitplan der RTR gilt:
| Seit wann | Was | Was das im Betrieb heißt |
|---|---|---|
| 2. Februar 2025 | KI-Kompetenz (Art. 4) | Wer KI einsetzt, setzt Maßnahmen, damit die eigenen Leute sie sachkundig nutzen. |
| 2. August 2026 | Transparenzpflichten (Art. 50) | Ein Chatbot muss als KI erkennbar sein; für bestimmte KI-Inhalte gelten Kennzeichnungspflichten. |
| 2. Dezember 2027 | Hochrisiko-Anwendungen nach Anhang III | Betrifft etwa KI, die Bewerbungen auswählt. Im Handwerk besser meiden. |
KI-Kompetenz. Der Artikel 4 wurde durch den Digital-Omnibus zu KI geändert. Nach der aktuellen Fassung, wie sie die RTR zur KI-Kompetenz wiedergibt, ergreifen Betreiber Maßnahmen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals zu unterstützen. Ein bestimmtes Niveau müssen sie nicht garantieren. Ein Zertifikat oder eine bestimmte Kursdauer schreibt der AI Act nicht vor. Praktisch kann das eine Einweisung sein: was die eingesetzte KI kann, wo sie Fehler macht und welche Daten nicht hineingehören.
Chatbots. Laut der RTR-Seite zu den Transparenzpflichten müssen Menschen spätestens bei der ersten Interaktion erfahren, dass sie mit einem KI-System kommunizieren. Ein Hinweis nur in den AGB oder ein allgemeiner Satz wie „Diese Website nutzt KI“ genügt nach dieser Darstellung nicht. Die Pflicht nach Art. 50 Abs. 1 trifft in erster Linie den Anbieter des Chatbots. Für Ihre Website heißt das trotzdem: Im Chatfenster sollte gut sichtbar stehen, dass eine KI antwortet.
Mehr dazu, wann Sie Betreiber sind und was bei Bewerbungen gilt, steht im Ratgeber Was bedeutet der AI Act für einen Handwerksbetrieb?.
DSGVO: was weiterhin gilt
Der AI Act ändert nichts daran, dass die Datenschutz-Grundverordnung gilt, sobald personenbezogene Daten verarbeitet werden. Im Handwerk sind das etwa Namen und Adressen von Kunden, Telefonnummern, Fotos aus Wohnungen oder Bewerbungen. Drei Grundregeln:
- Rechtsgrundlage. Für jede Verarbeitung braucht es eine Rechtsgrundlage, etwa die Abwicklung eines Auftrags.
- Auftragsverarbeitung. Verarbeitet ein Dienstleister die Daten für Sie, etwa der Anbieter eines KI-Dienstes, braucht es einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung (Art. 28 DSGVO).
- Datensparsamkeit. Was die KI für ihre Aufgabe nicht braucht, gehört nicht hinein. Kundendaten in einen kostenlosen öffentlichen Chatbot zu kopieren, ist besonders heikel.
Wie sich das bei ChatGPT und ähnlichen Diensten auswirkt, erklärt der Ratgeber ChatGPT im Handwerksbetrieb: Was passiert mit Kundendaten?. Zuständige Aufsichtsbehörde in Österreich ist die Datenschutzbehörde.
Wie fängt ein Handwerksbetrieb sinnvoll an?
Ohne Förderung lohnt es sich umso mehr, klein anzufangen und nicht alles auf einmal umzubauen:
- Einen Ablauf auswählen, der im Büro regelmäßig Zeit bindet, zum Beispiel das Sortieren von Anfragen oder das Zuordnen von Lieferantenrechnungen. Hilfe bei der Auswahl gibt der Ratgeber Welchen Büroablauf zuerst automatisieren?.
- Klären, welche Daten betroffen sind, und ob ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung nötig ist.
- Die Leute einweisen, die mit der KI arbeiten. Damit ist auch die KI-Kompetenz nach Art. 4 angesprochen.
- Freigabe durch einen Menschen einplanen. Was hinausgeht, sollte jemand im Betrieb lesen und bestätigen.
Was KI im Handwerksbetrieb leisten kann und wo ihre Grenzen liegen, beschreibt der Ratgeber KI im Handwerksbetrieb.
Quellen
Alle Angaben geprüft im Oktober 2026:
- KMU.DIGITAL, Programmseite
- aws Digitalisierung
- WKO: Förderungen Vorarlberg zum Thema Digitalisierung
- WKO: Künstliche Intelligenz im Gewerbe und Handwerk
- RTR KI-Servicestelle: Zeitplan des AI Act
- RTR KI-Servicestelle: KI-Kompetenz
- RTR KI-Servicestelle: Transparenzpflichten
- Datenschutz-Grundverordnung auf EUR-Lex
Häufige Fragen
Gibt es 2026 noch KMU.DIGITAL-Förderung für KI-Projekte?
Laut der Programmseite kmudigital.at ist das Budget von KMU.DIGITAL 4.0 vollständig ausgeschöpft, Anträge für Beratungs- und Umsetzungsförderung sind nicht mehr möglich. Die Seite kündigt außerdem an, dass das Programm ab 2027 nicht fortgeführt wird (Stand Oktober 2026). Prüfen Sie vor einer Entscheidung den aktuellen Stand auf kmudigital.at oder bei Ihrer Wirtschaftskammer.
Fördert die aws den Einsatz von KI in kleinen Handwerksbetrieben?
Die aws hatte im Programm aws Digitalisierung eigene Calls zur künstlichen Intelligenz. Laut aws sind diese geschlossen, derzeit ist kein weiterer Call offen (Stand Oktober 2026). Ob ein neuer Call kommt und ob ein Handwerksbetrieb dann dazu passt, steht in den jeweiligen Bedingungen der aws.
Muss ich meine Mitarbeiter zu KI schulen lassen?
Der AI Act verlangt seit 2. Februar 2025, dass Betriebe, die KI einsetzen, Maßnahmen zur KI-Kompetenz ihres Personals setzen (Art. 4). Eine bestimmte Schulung oder ein Zertifikat schreibt er nicht vor, und ein bestimmtes Wissensniveau muss der Betrieb nicht garantieren. Eine Einweisung, was die eingesetzte KI kann und was nicht, ist ein vernünftiger Anfang.
Muss ein Chatbot auf meiner Website gekennzeichnet sein?
Ja. Seit 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten des AI Act. Wer mit einem Chatbot schreibt, muss spätestens bei der ersten Interaktion erfahren, dass er mit einer KI kommuniziert. Laut der KI-Servicestelle der RTR reicht dafür ein Hinweis nur in den AGB oder ein allgemeiner Satz wie „Diese Website nutzt KI“ nicht aus.
Wo bekomme ich als Handwerksbetrieb neutrale Auskunft zu KI?
Bei der Sparte Gewerbe und Handwerk Ihrer Wirtschaftskammer, die auch ein KI-Handbuch für Klein- und Kleinstbetriebe anbietet, und zu Rechtsfragen rund um den AI Act bei der KI-Servicestelle der RTR. Für den Datenschutz ist in Österreich die Datenschutzbehörde zuständig.