Meine Handwerkersoftware hat keine offene Schnittstelle: Kann ich trotzdem KI nutzen?
Ja, in vielen Fällen. Viel von dem, was eine KI im Büro braucht, liegt gar nicht in der Software, sondern im Postfach und in Ordnern. Dazu kommen Exporte, die viele Programme ohnehin anbieten, etwa Angebote und Rechnungen als PDF oder Austauschformate wie DATANORM und ÖNORM. Ob ein solcher Weg für Ihre Aufgabe reicht, zeigt die Prüfung.
In Kürze
- Bei vielen Handwerkerprogrammen ist keine öffentliche Schnittstelle für Dritte dokumentiert.
- Postfach, Serverordner und PDF-Ablage sind von der Software unabhängig und oft der größere Schatz.
- Exporte als Datei können einen lesenden Zugriff ermöglichen, aber meist nicht in Echtzeit.
- Daten zurück in die Software zu schreiben, ist ohne Schnittstelle meist keine gute Idee.
In vielen Fällen ja. Eine Schnittstelle, also ein offizieller Zugang, über den andere Programme Daten abfragen dürfen, macht vieles einfacher. Sie ist aber nicht die einzige Tür. Vieles, was eine KI im Büro eines Handwerksbetriebs braucht, liegt gar nicht in der Handwerkersoftware, sondern im Postfach, in Ordnern am Server oder als PDF. Und viele Programme bieten Exporte an, die ein lesendes Arbeiten möglich machen können.
Wie verbreitet sind offene Schnittstellen bei Handwerkersoftware?
Weniger, als man meinen könnte. Bei unserer Recherche zu Handwerkerprogrammen, die in Österreich angeboten werden (Stand Oktober 2026), haben wir nur bei wenigen eine öffentlich dokumentierte Schnittstelle gefunden, etwa bei HERO und bei PlanRadar. Bei vielen anderen, darunter comtech cx.prime, ETU Kaufmann, TAIFUN Handwerk, Plancraft und Zentro, haben wir keine solche Dokumentation gefunden. Das heißt nicht, dass es keinen Zugang gibt. Es heißt nur, dass er nicht öffentlich beschrieben ist.
Diese Hersteller nennen stattdessen Austauschformate, etwa DATANORM für Artikeldaten von Großhändlern, ÖNORM-Formate für Ausschreibungen und Abrechnung oder Exporte für die Buchhaltung.
Welche Wege gibt es ohne Schnittstelle?
Ein Überblick, vom einfachsten zum aufwendigsten:
| Weg | Was damit geht | Grenze |
|---|---|---|
| Postfach und Ordner | Anfragen, Rechnungen, Absprachen, Pläne, alte Aufträge | Daten, die nur in der Software stehen, fehlen |
| PDF-Ablage | Angebote und Rechnungen, die als PDF gespeichert werden | nur, was tatsächlich als Datei abgelegt wird |
| Exportdateien | Listen von Kunden, Aufträgen oder Artikeln, z. B. als Excel | nicht laufend aktuell, Aufbau kann sich ändern |
| Zugang über den Hersteller | je nach Angebot des Herstellers | nur nach Abstimmung, eventuell mit Kosten |
Warum reichen Postfach und Ordner oft schon?
Weil dort der Alltag passiert. Ein Beispiel, wie es in einem Elektrobetrieb aussehen könnte: Die Software verwaltet Angebote, Aufträge und Rechnungen. Aber die Anfrage mit den Fotos vom alten Verteiler kam per Mail, die Absprache mit dem Bauleiter steht im Postfach, das Prüfprotokoll liegt eingescannt am Server und das Datenblatt des Wechselrichters im Ordner Herstellerunterlagen. Eine Wissensdatenbank oder eine Automatisierung kann mit all dem arbeiten, ohne die Handwerkersoftware überhaupt zu berühren.
Speichert der Betrieb Angebote und Rechnungen zusätzlich als PDF in einem Ordner, kommen auch diese Inhalte dazu.
Was ist mit Exporten?
Viele Programme können Listen exportieren, etwa offene Angebote, Kunden mit Wartungsvertrag oder Aufträge eines Zeitraums. Eine solche Datei kann eine Automatisierung regelmäßig lesen, zum Beispiel um offene Angebote zum Nachfassen aufzulisten.
Der Nachteil: Ein Export ist eine Momentaufnahme. Wer ihn täglich braucht, muss ihn täglich erzeugen, von Hand oder, falls die Software das kann, nach Zeitplan. Und wenn der Hersteller bei einem Update den Aufbau der Datei ändert, muss der Ablauf angepasst werden.
Was sollte man lieber lassen?
Daten ohne Schnittstelle zurück in die Handwerkersoftware zu schreiben. Das ginge manchmal über Umwege, etwa indem ein Programm Eingaben nachahmt. Solche Lösungen sind anfällig und können bei einem Update unbemerkt Fehler verursachen. Bei Abläufen von Goma-IT bleibt das Erfassen in der Software deshalb beim Büro; die Automatisierung bereitet nur vor.
Wie finde ich heraus, was bei meiner Software geht?
- Auf der Software-Übersicht nachsehen, was wir zu Ihrem Programm recherchiert haben.
- Beim Hersteller fragen, ob ein lesender Zugang für ein anderes Programm möglich ist.
- Prüfen, welche Exporte Ihre Version anbietet und ob sie sich nach Zeitplan erzeugen lassen.
- Mit dem Postfach und den Ordnern anfangen, die ohnehin zugänglich sind.
Goma-IT ist kein Partner der genannten Hersteller. Welche Programme wir angesehen haben und was wir jeweils gefunden haben, steht in der Übersicht Handwerkersoftware und KI.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Schnittstelle und Export?
Über eine Schnittstelle fragt ein anderes Programm die Daten direkt und laufend ab. Ein Export ist eine Datei, die jemand oder ein Zeitplan erzeugt und die dann gelesen wird. Exporte sind einfacher, aber nicht immer aktuell.
Sollen wir den Hersteller nach einer Schnittstelle fragen?
Ja, das lohnt sich. Manche Hersteller bieten Zugänge an, die nicht öffentlich beschrieben sind. Fragen Sie konkret, ob ein lesender Zugriff für ein anderes Programm möglich ist und was er kostet.
Kann man nicht einfach direkt in die Datenbank der Software schauen?
Technisch geht das manchmal, ist aber riskant. Ohne Abstimmung mit dem Hersteller kann ein Update alles verändern, und es kann Wartungsverträge berühren. Wir gehen diesen Weg nur nach Absprache.